Was geschieht zu HALLOWEEN? | Die Wahrheit hinter dem Fest

Halloween

Jahr für Jahr kommt es wieder und Jahr für Jahr werden die absurden Kostüme häufiger. Halloween. Ein Fest, das sich entgegen vor einigen Jahren entstandener Skepsis in meinem Verwandtenkreis immer größerer Beliebtheit erfreut. Da es genug Schmink-Tutorials gibt, dachte ich mir, ich kehre mal zu den Wurzeln zurück und berichte darüber, warum wir dieses Fest überhaupt feiern. Und glaub mir- das ist in seiner heutigen Form alles andere als einfach zu erklären.


The history of Halloween, then, from having been influenced by the Celtic Samhain to its influence on the Protestant Guy Fawkes Day, indicates many changes in the political realities and social dynamics in England, Ireland, and the United States (among other places) over the centuries.1

In diesem kurzen Zitat ist schon fast alles zusammengefasst, was man über das Fest grob wissen kann. Einen Ursprung kann man sich noch zusammenreimen, aber die weitere Entwicklung hat viel mit der Politik und sozialen Lage in den „rezipierenden“ Ländern zu tun. Während meiner Recherchen wurde immer offensichtlicher, dass es gar keinen roten Faden in der Geschichte von Halloween gibt. Ich weise darauf hin, dass ich mir aus meinen Erkenntnissen selbst die glaubwürdigsten und am besten nachgewiesenen herausgesucht habe. Eine komplett richtige Antwort auf die Frage scheint es (noch) nicht zu geben. Aber fangen wir ganz von vorne an, irgendeinen Ursprung muss es ja doch haben.

Halloween und die Kelten

Was mal sehr sicher ist, ist dass es bei den Kelten ein Fest zum Ende des Sommers gab, als das Vieh in den Stall geholt wurde. Dabei handelte es sich um Samhain, ein Fest zur Ernte, oder eben zum Viehabtrieb. Ganz genau ist das nicht überliefert.

Winkler and Winkler (1970) suggest that Samhain celebrated the harvest and was influenced by Egyptian and Babylonian harvest festivals, but Frazer (1959; original 1890) argues that Samhain was instead a pastoral festival marking the time of bringing the herds back from pastures to their winter stalls.2

Man feierte mit „Bonfires“, in denen ursprünglich Tierknochen verbrannt wurden. Also kommt das Wort tatsächlich von „Knochenfeuer“ im wortwörtlichen Sinne. An diesem Tag kamen für eine Nacht auch die Seelen der Verstorbenen zurück nach Hause. Mit ihnen kamen verirrte Seelen und böse Geisterwesen. Zur Abschreckung sollen manchmal gruselige Verkleidungen und auch die Bonfires gedient haben.

Du solltest aber immer daran denken, dass die direkte Verbindung mit dem Samhain-Fest und Halloween nicht nachweislich belegbar ist. Einige Dinge passen geschichtlich nicht zusammen, über das heidnische Fest weiß man zu wenig. Es ist eine Annahme, die Sinn macht, aber leider trotzdem nur eine Annahme.

Auch zum ausgehöhlten, leuchtenden Kürbis gibt es eine spannende Geschichte. Der stammt von Jack Oldfield, einem Bauern, der den Teufel zweimal um seine Seele betrogen hatte. Als er schließlich starb, wurde er weder in den Himmel, noch in die Hölle gelassen. Er war dazu verdammt, sein Unwesen auf der Erde zu treiben. Aber der Teufel warf ihm in dieser kalten Nacht (vielleicht aus Mitleid) noch eine glühende Kohle nach, die Jack in die Rübe steckte, die er gerade aß. Ja. Rübe, die Jack O’Lantern. Der Kürbis ist eigentlich falsch. Der kam erst in Amerika und Mitteleuropa in Gebieten auf, wo es einfach zu viele Kürbisse gab. In der Steiermark zum Beispiel. Da, wo ich herkomme.

Halloween

Christliche Religion und Halloween?

Laut Russel W. Belk schienen die christlichen Geistlichen im 9 Jh. zu verstehen, dass es einfacher wäre, diese heidnischen Bräuche- etwas angepasst- zu übernehmen, anstatt etwas so tief in der Bevölkerung Verwurzeltes zu verbieten. 835 hat Pabst Gregor IV den 1. November als Tag Aller Heiligen für die gesamte westliche Kirche erlassen, um dem heidnischen (Todes)Fest sanft entgegenzutreten, das ja in der Nacht von 31. auf 1. gefeiert wurde. “ After all, the saints themselves are dead people.“3

Allerheiligen gab es schon lange vorher, sogar mal zu einem Termin im Frühjahr. Dass dieser Tag später absichtlich genau an Samhain fixiert wurde, ist schon keine ganz so absurde Annahme. Auch Jack Santino beschreibt in seinem Werk „Halloween and Other Festivals of Death and Life“ diese These der „Überlagerung“ des heidnischen Festes mit einem christlichen. Diese Katholiken, was?

Halloween in Amerika und heute

Im 10. Jh. kam am 2. November der christliche Feiertag Allerseelen dazu, um dort den Christen Raum zu geben, ihrer Verstorbener und derer Seelen zu gedenken. Trotzdem verschwand das eigentlich heidnische Ritual um „All Hallows‘ Eve“ nicht. Im Gegenteil, während der irischen Hungersnot schwappte es Mitte des 19. Jh. mit Auswanderern auf die USA über.4 Und bald darauf auch auf Europa zu uns.

Mittlerweile gelangt aus Amerika mehr und mehr dieses Faschingsähnliche Halloween zu uns nach Europa, das wirklich so gut wie nichts mehr mit dem All Hallows‘ Eve zu tun hat. Wo es vor 10 Jahren noch traditionell gruselig zuging, häufen sich jetzt die buntesten Gestalten. Und so feiern auch wir heute Halloween, warum ganz genau, weiß also eigentlich noch immer keiner.

Puh. So kompliziert wollte ich gar nicht werden. Aber leider führte kein Weg daran vorbei, diese verworrenen Umstände wenigstens kurz zu erwähnen. Natürlich ist es mit nur zwei bis drei Quellen nicht getan, aber das hier hat ja auch nicht den Anspruch ein wissenschaftlicher Artikel zu sein. Nur so korrekt wie möglich sollte er sein. Viel mehr bleibt auch gar nicht zu sagen, ohne ins Uferlose zu treiben. Falls dich dieser Artikel interessiert hat, würde ich mich über Feedback freuen.

Genieß Halloween einfach

Zum Schluss bleibt zu sagen, dass man sich ewig mit Halloween und seiner Entstehung und Ausbreitung beschäftigen könnte. Jede Spur führt zu einem neuen Werk und jedes Werk hat seine eigene, leicht unterschiedliche These. Aber da man nicht mal mehr genau weiß, woher Halloween genau kommt, macht es wenig Sinn, sich darüber zu ärgern oder den Kopf zu zerbrechen.

Ich war immer ein wenig genervt von Halloween-Kostümen, die nach Fasching aussahen. Halloween musste gruselig sein. Aber nach all diesem Durcheinander bei meiner Recherche habe ich einiges Neues über das Fest erfahren. Vor allem, dass es kein einheitliches Fest gibt. Vielleicht stammt es von den Kelten, die sich gruselig kleideten, um böse Geister zu verjagen. Wen kümmert’s? Verkleide dich als Prinzessin oder  Super Mario und hab einfach Spaß an diesem Abend. Das ist doch die Hauptsache. Wer glaubt schon an Geister? … Nein, also im Ernst: Glaubst du an Geister?

 

 


1Jack Santino, Halloween and Other Festivals of Death and Life, Knoxville 1994, The University of Tennessee Press, Seite 17.

2Russell W. Belk (1990) ,“Halloween: an Evolving American Consumption Ritual“, in NA – Advances in Consumer Research Volume 17, eds. Marvin E. Goldberg, Gerald Gorn, and Richard W. Pollay, Provo, UT : Association for Consumer Research, Pages: 508-517.

3Ebd.

4Ebd.

Weitere Quellen:

James George Frazer, The Golden Bough: A Study in Magic and Religion, 1998, OPU Oxford.

https://de.wikipedia.org/wiki/Halloween

https://de.wikipedia.org/wiki/Allerheiligen

 

8 comments

  1. Hallo Laurel!

    Wie angekündigt, bin ich sofort hierher gesprungen, als ich deinen Startschuss auf Instagram gelesen habe. 😉
    Das Thema ist wirklich ein unglaublich spannendes und auch, wenn ich alle Zusammenhänge beim ersten Lesen ehrlicherweise noch nicht so ganz verstanden habe, sind mir wieder einige Lichter aufgegangen. Klasse, dass du dich so in die Recherche reingekniet hast – das war sicherlich nicht einfach!

    Was mir, wenn ich solche Feste, aber auch die christlichen Feste und ihre Ursprünge anschaue, immer wieder auffällt, ist eben dein Fazit: dass man eine richtige Trennung von heidnischen und christlichen Gebräuchen gar nicht machen kann und die Beeinflussungen aus heutiger Perspektive wirklich schwer nachzuvollziehen sind. Viele Feste auch im Christentum haben ja Analogien oder sind direkt aus heidnischen Varianten entstanden, die gewissermaßen „christusgerecht“ uminterpretiert wurden – auch, wenn das manche Religionsanhänger*innen nicht so gerne hören mögen.
    Kurzum: Ein wirklich spannendes Feld – danke dir für die kleine Einführung! 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

    1. Liebe Jenni!

      Vielen Dank für deinen sofortigen Besuch und ausführlichen Kommentar! 🙂 Total schön zusammengefasst! Ich habe die Zusammenhänge leider selbst nicht so ganz verstanden, wenn ich ehrlich bin, deswegen ist dieser Beitrag eventuell ein wenig kompliziert geworden. Es ist wirklich alles durcheinander, weil sich das Fest scheinbar in den unterschiedlichen Ländern jeweils ganz anders entwickelt hat- aufgrund von der dort herrschenden Politik, Religion etc. Und davon wiederum ist nicht viel mit Sicherheit nachzuweisen. Die Beweislage ist also dünn. Aber trotzdem ist das Ganze ziemlich spannend eigentlich.
      Vielen ReligionsanhängerInnen dürfte das wirklich nicht gefallen, aber es ist ziemlich gut nachzuweisen, dass viele Geschichten und auch Feste des Christentums (und anderer Religionen) aus heidnischen Bräuchen abgewandelt wurden. Das ist mir auch schon aufgefallen.
      Ich bin übrigens jedes Mal sehr begeistert davon, wie gut du schreibst- so extrem klar und zusammenfassend. Danke dafür!

      Liebe Grüße,
      Laurel

  2. Tolle Zusammenfassung- ich finde ein Hinterfragen unserer Bräuche total spannend. Zum Thema „Christliche Geschichten und Feste aus „heidnischen“ Bräuchen abgewandelt“ kann ich dir als Archäologin mit Spezialisierung auf den alten Orient viele Geschichten aus Keilschriftquellen erzählen die dir total bekannt und christlich vorkommen werden 😉

    1. Hey Simone!
      Danke! 🙂 Ist mir gar noch so leicht gefallen. Bei dem Durcheinander, dass hier geschichtlich herrscht.
      Oh, wie spannend! Das glaube ich aber sofort! Habe eine sehr spannende Dokumentation darüber gesehen. Kennst du sie vielleicht? „Zeitgeist – The Movie“
      Wenn nicht, ist das ein sehr spannender Film zu dem Thema. Aber vielleicht schaffen wir es mal, darüber zu fachsimpeln! Würde mich sehr interessieren!
      Liebe Grüße!

  3. Hallo Laurel,

    jetzt habe ich natürlich gleich hier lesen müssen, was Du über Halloween geschrieben hast. Eine wirklich gute Zusammenfassung mit den wichtigsten Aspekten. Mir ist immer wichtig zu betonen, daß die Kirche bzw. das Christentum viel vom Heidnischen übernommen hat. Auch wenn sie das nicht wirklich so bestätigen. Viele unserer Feste stammen aus uralten Zeiten, die sich dann aber die Kirche auf die Fahne schreibt.

    Das ist ein Thema, über das man wohl stundenlang fachsimpeln könnte. Manchmal geht aber dann wirklich der Spaß daran verloren. Ob man nun Erntedank, Bonfire, Halloween feiert – das Wichtigste ist daran das gemeinsame Erlebnis.

    Ich schick Dir viele Grüße
    Sandra

    1. Hallo Sandra,

      Vielen Dank fürs Vorbeischauen! Das freut mich ungemein!
      Ja, während meiner Recherche wurde immer offensichtlicher, dass sehr viele der christlichen Feste einiges von heidnischen Bräuchen übernommen haben. Das ist ungemein interessant! Gerade Halloween ist eines der „seltsamsten“ Feste, das im christlichen Glauben für mich so gut wie keine Daseinsberechtigung hat. Aber da kann man natürlich auch streiten.
      Schön, dass ich scheinbar das Wichtigste rausfinden konnte! 😀
      Viele Grüße zurück,
      Laurel

  4. Dieser Mischmasch trifft ja nicht nur auf Helloween zu. Es ist doch dasselbe mit Weihnachten: Was hat Christi Geburt mit dem Weihnachtmann und Tannenbäumen zu tun ? oder auch Ostern: Jesus Auferstehung inmitten von Hasen und bunten Eiern ? Ich glaube, die Feste wurden „vermixt“ um eine möglichst breite Akzetanz in der Bevölkerung zu finden. Und heutzutage sind solche Feste sichelrich stark kommerziell geprägt. Süssigkeitenhersteller feiern Hochkunjunktur in diesen Zeiten. Warum auch nicht? Solange jeder frei entscheiden kann, in wie weit er mitmachen möchte ist das für mich alles ok. Meine Jungs feiern jedefalls gerne Helloween!
    Verspielte Grüßle,
    Simone

    1. Ja, da hast du absolut Recht! Schon sehr interessant das alles. Ich glaube, die Kirche hätte eigentlich schon Interesse daran gehabt, das komplett zu trennen, es aber einfach nicht geschafft, weil einige heidnische Bräuche einfach so tief verankert waren. Wie auch immer- jeder soll es so machen, wie er es für richtig hält. Ich mag das Kommerzielle an all den Feierlichkeiten sowieso nicht, aber eine Party mit Kostümen kann auch einfach mal Spaß machen. 🙂

      Liebe Grüße,
      Laurel

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