Verwirrte Banker, verrückte Vögel | Der Pfau

Isabel Bogdan wurde 1968 in Köln geboren, hat Anglistik und Japanologie studiert und ist bekannt für ihre Übersetzungen englischsprachiger Literatur. So hat sie unter anderem schon Megan Abbott, Nick Hornby und Jane Gardam eine deutsche Stimme verliehen. Im Frühjahr 2016 erschien nun ihr eigenes Roman-Debut: „Der Pfau“, ein Buch voller schottischem Humor und verwirrenden Vorkommnissen.

Isabel Bogdan, „Der Pfau“
Isabel Bogdan, Foto: Smilla Dankert

 

Auf Teambuilding in den Highlands

Lord und Lady McIntosh leben auf einem uralten Anwesen, nahe an den schottischen Highlands. Der Landsitz ist über die Jahre heruntergekommen und das Paar musste sich etwas einfallen lassen, um die laufenden Kosten decken zu können. Kurzerhand wurde umgebaut: Ferienwohnungen!

Während nun regelmäßig Gäste empfangen werden, beschließt der Lord eines Tages, Pfauen zu besorgen. Natürlich lebendige, die den Garten verschönern und Räder schlagen sollen. Der Plan geht zwar nur einmal im Jahr zur Balzzeit auf, aber die Tiere passen auch ohne Schmuckfedern gut ins Bild des alten Landsitzes.

Im November bucht dann sogar eine Gruppe Investment-Banker für ihr Teambuilding den alten Westflügel des Haupthauses und die Chefin reist mit vier ihrer Mitarbeiter und eigener Köchin und Psychologin an.

„Einer der Pfauen war verrückt geworden.“

Einer der Pfauen greift immer wieder Dinge an, die blau glänzen. Während der Lord anfangs noch an eine Hormonverwirrung glaubt, zeigt sich bald, dass der Zustand anhält. Als auch noch der ungünstig lackierte Wagen der Chefin dran glauben muss, ergreift Lord McIntosh Maßnahmen, die das gemütliche Wochenende in einen nervenaufreibenden Aufenthalt umschlagen lassen. Stromausfall und Schneesturm inbegriffen.

Der Pfau Laurel Matthäus Stepan
Buch: Der Pfau, Outfit: Mintgrey Myth, Foto: Matthäus Stepan

Es fehlt ein wenig an Tiefe

Isabel Bogdan schreibt unaufgeregt und viel in der indirekten Rede. Das sagt tatsächlich schon einiges über das Buch aus. Während der Anfang auf sehr spannende Lektüre hoffen lässt, bleibt die Handlung etwas hinter den Erwartungen zurück. Die Komik des Textes besteht vor allem deswegen, weil die verschiedenen Charaktere jeweils nur ihre eigene Sicht auf die Geschehnisse am Landsitz haben, und diese nicht mit den anderen teilen. Dem Leser alleine bleiben die Zusammenhänge erschlossen. Die Autorin erklärt ein paar Mal zu oft, wer denn nun was wisse und nimmt sich so selbst den Wind aus den Segeln. Leider bleiben dadurch die Charaktere und vor allem ihre Beziehungen zueinander oberflächlich.

Nichtsdestotrotz ist das Buch kurzweilig und durchaus auch unterhaltsam, allein seiner Idee wegen. Diese Geschichte muss einem erst einmal einfallen. Selbst, wenn das Buch keine literarischen Raffinessen zu bieten hat, die Atmosphäre schafft genug Platz, um sich wohl zu fühlen: Kaminfeuer im stromleeren, dunklen Haus, ein Hot Tub im verschneiten Garten …  Mit seinen knapp 250 Seiten ist es auch nicht zu lang und ist so eine entspannt unterhaltende Urlaubslektüre, nicht nur für die schottischen Highlands.

 

Der Pfau (Zur Verlagsseite)Der Pfau, Isabel Bogdan

Kiepenheuer&Witsch
ISBN: 978-3-462-04800-1
Erschienen am: 18.02.2016

256 Seiten, gebunden mit SU
Lieferbar

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