Günter Grass | Ein kurzes Portrait zum 2. Todestag

Genau 2 Jahre ist es her: Am 13.04.2015 endet eine Lebensgeschichte: Günter Grass verstirbt nach Angaben des Steidl Verlags in einer Lübecker Klinik mit 87 Jahren an den Folgen einer Infektion.

Grass als Universaltalent zu bezeichnen, wäre nicht übertrieben. In seinem Lebenswerk befinden sich Arbeiten aus allen Bereichen der Kunst: Lyrik, Prosa, Dramen, Erzählungen, Essays, aber auch Bildhauereien und Grafiken. Die Umschlaggestaltung seiner Bücher beispielsweise übernahm Grasser immer selbst.

Günter Grass

Geboren 1927 in Danzig, meldete Grass sich mit 15 Jahren freiwillig zur Wehrmacht und wurde der Waffen-SS zugeteilt. Im Mai 1945 wurde er in amerikanische Kriegsgefangenschaft überstellt und verbrachte dort fast ein Jahr, bis zum April 1946. Erst in seiner 2006 veröffentlichten Biografie “Beim Häuten der Zwiebel“, erzählt Grass das erste Mal von dieser Zeit. Bis dahin hatte es geheißen, er wäre Flakhelfer und dann Panzersoldat in der Wehrmacht gewesen. Das späte Geständnis hat unterschiedlichste Reaktionen in ganz Deutschland, unter seinen Freunden und Kritikern, ausgelöst. Sein Kollege und Freund Erich Loest war erschüttert, voll von Unverständnis für die späte Erklärung, reagierte aber trotzdem unterstützend. Kurz wurde sogar spekuliert, Grass den Literaturnobelpreis abzuerkennen, wozu es aber nicht kam.

Kurz nach seiner Freilassung aus der Kriegsgefangenschaft, lernte Grass bei einem Steinmetz in Düsseldorf und studierte wenig später in der dortigen Kunstakademie Grafik und Bildhauerei, was er später in Berlin fortsetzte. Von 1956 – 1960 lebte er in Wettingen, der Schweiz, wo das Manuskript zur „Blechtrommel“ entstand. Dieser, sein erster, Roman verschaffte ihm den literarischen Durchbruch und einen Welterfolg. In seinem Werk thematisiert Grass die kollektive Verdrängung des Dritten Reichs durch das deutsche Volk und die unzureichende Aufarbeitung der Geschehnisse dieser Zeit.

Im Jahr 1957 wurde der Schriftsteller Mitglied der von Hans Werner Richter gegründeten „Gruppe 47“ für Jungschriftsteller und Nachwuchstalente, die im Laufe der Jahre immer größeren Einfluss auf die deutsche Literaturwelt nahm.

 

Die 60er: Grass wird politisch aktiv und setzt sich für die demokratischen Ziele der SPD ein. 1965 veröffentlichte er für die Wahl zum Bundeskanzler ein Buch über Willy Brandt (SPD), in dem er für ihn warb. Brandt wurde 1969 vom Bundestag zum deutschen Kanzler gewählt.

Grass trat aus der Kirche aus, weil er die Haltung der Bischöfe zur Abschaffung des Abtreibungsverbots und des Paragrafen 218 verurteilte. Er setzte sich offiziell für die Gleichberechtigung von Lebenspartnerschaften ein und unterstütze den LSVD (Lesben- und Schwulenverband in Deutschland).

Der Schriftsteller gründete außerdem 1997 die Otto-Pankok-Stiftung zu Gunsten der Sinti und Roma.

Im Jahr 1999, genau 40 Jahre nach dem Erscheinen von „Die Blechtrommel“ erhielt er den Nobelpreis für Literatur für sein Lebenswerk.

Er war zweifellos einer der einflussreichsten Literaten des deutschsprachigen Raums. Günter Grass hat ein Werk hinterlassen, dass Mahnung ist und Kritik, das zum Nachdenken anregt und zum Reden inspiriert. Es ist Teil der Weltliteratur und wird als solcher noch lange tief in unserer Literaturgeschichte verwurzelt bleiben. Was auch richtig ist.

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